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Schwindel und Nacken – welche Zusammenhänge kann es geben?

vor 4 Tagen
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Schwindel und Nackenbeschwerden treten manchmal gemeinsam auf. Doch bedeutet das automatisch, dass der Nacken die Ursache des Schwindels ist?

Nein.

Schwindel ist ein sehr vielseitiges Symptom und kann zahlreiche Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise Störungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, Kreislaufprobleme, neurologische Erkrankungen oder bestimmte Formen von Kopfschmerzen. Auch ein gutartiger Lagerungsschwindel entsteht typischerweise durch Veränderungen im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs.

Gleichzeitig kann die Halswirbelsäule bei manchen Menschen Teil des gesamten Beschwerdebildes sein. Deshalb lohnt sich eine differenzierte Betrachtung von Nacken, Kopf, Augen, Gleichgewicht und Bewegungssteuerung.

Bei CHIRO360 in Leonberg steht dabei nicht die Frage im Vordergrund, welche einzelne Struktur „schuld“ ist, sondern wie sich Beschwerden und Bewegungsmuster im individuellen Fall darstellen.


Was bedeutet eigentlich Schwindel?

„Schwindel“ ist kein einheitliches Krankheitsbild.

Menschen beschreiben damit beispielsweise:

  • das Gefühl, dass sich alles dreht

  • Schwanken oder Unsicherheit beim Gehen

  • Benommenheit

  • das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren

  • Unsicherheit bei bestimmten Bewegungen

  • ein Gefühl, als würde sich die Umgebung bewegen

Medizinisch werden unter dem Begriff Schwindel deshalb unterschiedliche Empfindungen zusammengefasst. Fachleute unterscheiden unter anderem Drehschwindel, Gleichgewichtsstörungen und Benommenheit.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil hinter unterschiedlichen Schwindelformen auch unterschiedliche Ursachen stecken können.


Warum hat das Gleichgewicht überhaupt mit dem Nacken zu tun?

Unser Gleichgewicht entsteht nicht durch ein einziges Organ.

Das Gehirn verarbeitet Informationen aus verschiedenen Systemen.

Dazu gehören insbesondere:

👁 Sehen

Die Augen liefern Informationen darüber, wie der Körper zur Umgebung ausgerichtet ist.

👂 Gleichgewichtsorgan

Das Innenohr registriert unter anderem Bewegungen und Veränderungen der Kopfposition.

🦶 Körperwahrnehmung

Rezeptoren in Muskeln, Gelenken und anderen Geweben liefern Informationen darüber, wie der Körper positioniert ist.

Das Gehirn verarbeitet diese Informationen und erzeugt daraus eine Vorstellung davon, wo sich unser Körper im Raum befindet und wie er sich bewegt.

Auch Bewegungen von Kopf und Hals gehören zu diesem komplexen Zusammenspiel.


Welche Rolle spielt die Halswirbelsäule?

Die Halswirbelsäule ermöglicht eine sehr große Beweglichkeit des Kopfes.

Gleichzeitig liefern Muskeln und Gelenke im Bereich des Nackens Informationen über die Position und Bewegung des Kopfes.

Diese Informationen müssen mit den Signalen aus Augen und Gleichgewichtsorgan zusammenpassen.

Ein einfaches Beispiel:

Du drehst deinen Kopf nach rechts.

Dabei verändern sich gleichzeitig:

  • die Stellung der Augen,

  • die Position des Kopfes,

  • die Aktivität der Nackenmuskulatur,

  • die Informationen aus den Gelenken,

  • die Signale des Gleichgewichtsorgans.

Das Gehirn muss diese Informationen miteinander verarbeiten.

Bewegung ist deshalb immer auch Informationsverarbeitung.


Kann der Nacken Schwindel verursachen?

Hier ist eine wichtige Differenzierung notwendig.

Der Begriff „zervikogener Schwindel“ wird verwendet, wenn ein Zusammenhang zwischen Beschwerden der Halsregion und Schwindel vermutet wird.

Die wissenschaftliche Diskussion darüber ist jedoch nicht abgeschlossen. Die Bárány Society, eine internationale Fachgesellschaft für vestibuläre Forschung, kommt zu dem Schluss, dass die bisherige Evidenz für einen eindeutigen mechanistischen Zusammenhang zwischen Nackenbeschwerden beziehungsweise Veränderungen der Halswirbelsäule und echtem Drehschwindel nicht ausreicht.

Das bedeutet:

Nackenschmerzen und Schwindel können gemeinsam auftreten – daraus folgt aber nicht automatisch, dass der Nacken die Ursache des Schwindels ist.

Genau deshalb sollte Schwindel nicht vorschnell auf eine „Blockade“ oder Verspannung im Nacken zurückgeführt werden.



Warum können Nackenbeschwerden und Schwindel trotzdem gemeinsam auftreten?

Es gibt verschiedene mögliche Erklärungen.

Zum Beispiel können mehrere Beschwerden gleichzeitig auftreten, ohne dass eine einzelne Ursache dafür verantwortlich ist.

Auch eine Veränderung der Beweglichkeit oder des Bewegungsverhaltens kann dazu führen, dass bestimmte Bewegungen ungewohnt oder unsicher wahrgenommen werden.

Darüber hinaus können bestimmte Erkrankungen sowohl Nackenbeschwerden als auch Schwindel begleiten.

Deshalb ist die entscheidende Frage nicht:

„Welche Nackenblockade verursacht meinen Schwindel?“

Sondern eher:

„Welche Art von Schwindel liegt vor und welche Faktoren könnten dabei eine Rolle spielen?“

Schwindel beim Drehen oder Bewegen des Kopfes

Wenn Schwindel besonders bei bestimmten Kopfbewegungen auftritt, sollte man nicht automatisch von einer Ursache im Nacken ausgehen.

Ein bekanntes Beispiel ist der gutartige Lagerungsschwindel.

Dabei können bestimmte Kopfbewegungen kurze Drehschwindelattacken auslösen. Ursache sind meist kleine Ablagerungen im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs, die dessen Sinneszellen bei bestimmten Bewegungen irritieren.

Typisch sind beispielsweise Beschwerden beim:

  • Hinlegen

  • Aufstehen

  • Umdrehen im Bett

  • Nach-oben-Schauen

  • Bücken

  • Drehen des Kopfes

Gerade deshalb sollte bewegungsabhängiger Schwindel zunächst entsprechend eingeordnet werden.


Schwindel, Nacken und visuelle Wahrnehmung

Auch das Sehen spielt für unser Gleichgewicht eine wichtige Rolle.

Das Gehirn erhält permanent Informationen darüber, wie sich der Körper und die Umgebung bewegen.

Deshalb kann es beispielsweise ungewohnt sein, wenn sich Kopf und Augen schnell bewegen oder wenn sich die visuelle Umgebung stark verändert.

Bei der Untersuchung bestimmter Schwindelformen können deshalb unter anderem Augenbewegungen und Gleichgewichtsfunktionen betrachtet werden.

Das ist auch einer der Bereiche, in denen sich interessante Verbindungen zu Neurotraining und Neuroathletik ergeben.


Was hat Neurotraining damit zu tun?

Neurotraining beschäftigt sich unter anderem mit:

  • Wahrnehmung

  • Reaktion

  • Gleichgewicht

  • Koordination

  • visueller Verarbeitung

  • Bewegungssteuerung

Das bedeutet nicht, dass Neuroathletik eine Behandlung für Schwindel darstellt.

Aber die Betrachtung von Wahrnehmung und Bewegungssteuerung kann im Training interessant sein – insbesondere dann, wenn es darum geht, Bewegung kontrollierter und sicherer auszuführen.

Bei CHIRO360 werden solche Übungen deshalb als ergänzender Bestandteil des Medical Fitness eingesetzt und nicht als pauschale Behandlung von Schwindel.

Mehr dazu:


Was kann man bei Nackenbeschwerden selbst tun?

Wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, ist Bewegung bei vielen Nackenbeschwerden sinnvoll.

Gesund.bund.de weist darauf hin, dass körperliche Aktivität bei Nackenschmerzen in der Regel nicht vermieden werden muss und gezieltes Training der Nackenmuskulatur vorbeugend wirken kann.

Sinnvoll können beispielsweise sein:

Regelmäßig bewegen

Langes Verharren in einer Position sollte möglichst vermieden werden.

Positionen wechseln

Nicht stundenlang in derselben Sitz- oder Arbeitshaltung bleiben.

Beweglichkeit erhalten

Nacken, Brustwirbelsäule und Schultergürtel regelmäßig und kontrolliert bewegen.

Kraft aufbauen

Ein gut angepasstes Training kann helfen, Belastbarkeit und körperliche Kontrolle zu verbessern.

Bewegung langsam steigern

Gerade bei Unsicherheit oder bestehenden Beschwerden sollte Belastung individuell angepasst werden.


Was sollte man bei Schwindel nicht einfach selbst behandeln?

Schwindel sollte nicht pauschal als „Verspannung“ oder „Blockade“ interpretiert werden.

Denn die Ursachen können sehr unterschiedlich sein.

Bei neu auftretendem, starkem oder ungeklärtem Schwindel kann deshalb eine medizinische Abklärung sinnvoll sein.

Besonders wichtig ist eine schnelle medizinische Abklärung bei plötzlich auftretenden starken Beschwerden oder zusätzlichen neurologischen Symptomen.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Lähmungs- oder Schwächegefühle

  • neue Sprachstörungen

  • deutliche Sehstörungen

  • starke Koordinationsprobleme

  • ausgeprägte Gangunsicherheit

  • Bewusstseinsstörungen

  • ungewöhnlich starke Kopfschmerzen

Auch nach einem Unfall oder bei anderen ungewöhnlichen Begleitsymptomen sollte Schwindel ärztlich abgeklärt werden.

Bei Nackenschmerzen nennt gesund.bund.de unter anderem neurologische Ausfälle, Gleichgewichtsstörungen, starke anhaltende Schmerzen, Fieber oder Beschwerden nach einem Unfall als Gründe für eine ärztliche Abklärung.


Wann kann eine funktionelle Betrachtung des Nackens sinnvoll sein?

Wenn medizinisch geklärt ist, dass keine behandlungsbedürftige Ursache hinter dem Schwindel steckt, kann bei gleichzeitig bestehenden Nackenbeschwerden eine funktionelle Betrachtung interessant sein.

Dabei können beispielsweise folgende Fragen gestellt werden:

  • Wie beweglich ist die Halswirbelsäule?

  • Wie bewegt sich die Brustwirbelsäule?

  • Wie arbeitet der Schultergürtel?

  • Gibt es deutliche Bewegungseinschränkungen?

  • Wie wird der Kopf bei Bewegungen kontrolliert?

  • Wie sind Gleichgewicht und Koordination?

  • Welche Belastungen bestehen im Alltag oder beim Sport?

Das Ziel ist nicht, eine einzige Ursache zu behaupten.

Vielmehr geht es darum, das individuelle Bewegungsbild besser zu verstehen.


Was kann CHIRO360 dabei leisten?

Bei CHIRO360 in Leonberg betrachten wir Beschwerden des Bewegungsapparates nicht isoliert.

Je nach Befund können verschiedene Bausteine miteinander kombiniert werden:

Chiropraktik zur funktionellen und manuellen Untersuchung und Behandlung des Bewegungsapparates

Techniken aus der strukturellen Osteopathie und Mobilisation zur Ergänzung der individuellen Behandlung

Medical Fitness für Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Belastbarkeit

Neurotraining als ergänzender Ansatz für Wahrnehmung, Gleichgewicht und Bewegungssteuerung

Dabei gilt:

Schwindel ist nicht automatisch ein chiropraktisches oder muskuläres Problem.

Eine verantwortungsvolle Behandlung beginnt deshalb mit der Frage, ob das Beschwerdebild überhaupt in den eigenen Behandlungsbereich fällt.


Schwindel und Nacken – das Wichtigste zusammengefasst

Schwindel kann viele verschiedene Ursachen haben.

Das Gleichgewicht entsteht durch das Zusammenspiel von Augen, Gleichgewichtsorgan, Körperwahrnehmung und Gehirn. Die Halsregion ist Teil unseres Bewegungssystems und liefert ebenfalls Informationen über Kopf- und Körperposition.

Trotzdem ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt, dass Nackenbeschwerden grundsätzlich echten Drehschwindel verursachen.

Deshalb sollte man Schwindel nicht vorschnell auf den Nacken zurückführen.

Wenn Nackenbeschwerden und Schwindel gemeinsam auftreten, kann es jedoch sinnvoll sein, das gesamte Bewegungs- und Belastungssystem zu betrachten – vorausgesetzt, medizinische Ursachen wurden entsprechend abgeklärt.


Unser Grundsatz bei CHIRO360:

Erst verstehen, dann behandeln – und Bewegung sinnvoll integrieren.


Häufige Fragen zu Schwindel und Nacken

Kann eine verspannte Nackenmuskulatur Schwindel auslösen?

Ein Zusammenhang wird bei manchen Beschwerdebildern diskutiert. Ein eindeutiger Nachweis, dass Nackenbeschwerden grundsätzlich echten Drehschwindel verursachen, fehlt jedoch. Schwindel hat viele mögliche Ursachen und sollte entsprechend eingeordnet werden.

Kann Chiropraktik bei Schwindel helfen?

Das hängt von der Ursache der Beschwerden ab. Schwindel sollte zunächst entsprechend abgeklärt werden. Eine chiropraktische oder manuelle Behandlung kann nicht als allgemeine Behandlung für Schwindel betrachtet werden.

Warum wird mir beim Drehen des Kopfes schwindelig?

Dafür kommen unterschiedliche Ursachen infrage. Eine häufige Ursache für kurzzeitigen Drehschwindel bei bestimmten Kopfbewegungen ist beispielsweise der gutartige Lagerungsschwindel, der vom Gleichgewichtsorgan des Innenohrs ausgeht.

Kann Bewegung bei Nackenbeschwerden helfen?

Bei vielen unspezifischen Nackenbeschwerden ist Bewegung sinnvoll und wird grundsätzlich nicht vermieden. Welche Bewegung und welche Belastung geeignet sind, hängt allerdings vom individuellen Beschwerdebild ab.

Wann sollte ich Schwindel ärztlich abklären lassen?

Insbesondere bei erstmaligem, starkem oder ungeklärtem Schwindel sowie bei zusätzlichen neurologischen Symptomen, starken Kopfschmerzen, ausgeprägter Gangunsicherheit oder Beschwerden nach einem Unfall ist eine medizinische Abklärung wichtig.




Quellen / fachlicher Hintergrund

Der Artikel orientiert sich bei den medizinischen Grundlagen unter anderem an Informationen von gesund.bund.de sowie der Bárány Society zur Einordnung von Schwindel und sogenanntem zervikogenem Schwindel. Schwindel ist ein Symptom mit zahlreichen möglichen Ursachen; insbesondere bei neuen oder ungewöhnlichen Beschwerden ist eine medizinische Abklärung wichtig.

 
 
 

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